Bonuszertifikate, Rendite nach Maß


Zertifikate, was ist das denn?

Zertifikate sind Finanzprodukte die üblicherweise von großen Banken ausgegeben werden und täglich über jeden beliebigen Broker an der Börse gehandelt werden können. Jedem Zertifikat liegt ein Basiswert zu Grunde, welcher eine Aktie, einen Aktienindex aber auch Rohstoffe wie Gold oder Öl repräsentiert.
Gegenüber einem Direktinvestment z.B. in eine Aktie, bieten diese Wertpapiere den Vorteil, dass man durch die Auswahl des Typs und der Eigenschaften des Zertifikats das Risiko und die Renditechance perfekt an die eigenen Präferenzen anpassen kann. Wer nur ein geringes Risiko in Kauf nehmen möchte und dafür bereit ist auf hohe Renditen zu verzichten, wird bei Zertifikaten genauso fündig, wie derjenige der ein hohes Risiko eingehen möchte um eine außerordentliche Rendite zu erzielen.
Mit Zertifikaten kann man gute Renditen erzielen, unabhängig davon, ob die Kapitalmärkte steigen, fallen oder in einer Seitwärtsbewegung notieren. Für jede Situation gibt es das passende Produkt.

Einen Nachteil der Zertifikate möchte ich an dieser Stelle allerdings nicht verschweigen. Beinahe alle Zertifikate sind rechtlich gesehen Inhaberschuldverschreibungen der ausgebenden Bank. Im Gegensatz zur Aktie erwerben sie nicht einen Anteil an einem Unternehmen, sondern einen Schuldtitel des Emittenten (der Bank).
Für den Fall dass die Bank pleite geht, verfällt das Zertifikat unter Umständen wertlos.
In der Vergangenheit gab es nur einen spektakulären Fall einer Bankenpleite, bei der Zertifikatbesitzer betroffen waren. Am 15. September 2008 meldete die US-amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz an und markierte damit den Beginn der Großen Finanzkrise.
Lehman Brothers hatten eine Vielzahl an derivativen Finanzprodukten im europäischen Markt platziert, die in Folge der Pleite zunächst wertlos wurden. Erst mehr als 10 Jahre später wurde das Insolvenzverfahren in Europa abgeschlossen und mit einer Rückzahlungsquote von 42% gab es für die Zertifikate Anleger wenigstens noch einen Teil der Investitionen zurück.

Das sich seit der Finanzkrise allerdings viele Regularien im Bankenwesen etabliert haben und die Großbanken substantiell besser aufgestellt sind, halte ich einen ähnlichen Fall in der Zukunft für extrem unwahrscheinlich.

Mit der Auswahl des Emittenten kann man zudem beim Kauf von Zertifikaten, seine Investments auf die größten und stärksten Banken konzentrieren.


Bonuszertifikate

In loser Folge werde ich in der nächsten Zeit die unterschiedlichen Zertifikate Arten hier vorstellen. Beginnen möchte ich mit den Bonuszertifikaten, einem Finanzprodukt mit welchem ich in den vergangenen 20 Jahren immer wieder gute Renditen erzielt habe.
Bonuszertifikate beziehen sich wie oben erwähnt auf einen Basiswert, also einen Index (z.B. DAX oder Euro Stoxx 50), eine Aktie (z.B. Volkswagen oder Siemens), seltener auch auf Rohstoffe wie Gold oder Rohöl.
Man spricht von derivativen Finanzprodukten oder Derivaten.
Die Bonuszertifikate werden von einer Bank emittiert und haben eine feste Laufzeit bzw. Fälligkeit.

Der Emittent (die Bank) verspricht zum Laufzeitende einen fest vorgegebenen Betrag, den sogenannten Bonuslevel auszuzahlen und zwar unabhängig davon wie der Basiswert (auch Underlying genannt) zum Fälligkeitsdatum steht. Allerdings hat die Sache einen kleinen Haken. Um in den Genuss dieses Bonus zu kommen, darf der Basiswert zu keinem Zeitpunkt unter eine definierte Schwelle, auch Barriere genannt fallen. Sollte dieses Schwellenereignis während der Laufzeit auch nur einmal eintreten, d.h. der Basiswert berührt die Barriere, verfällt der Bonusmechanismus und die Rückzahlung orientiert sich am Kurs der betreffenden Aktie oder Index.

Der Standard bei Bonuszertifikaten sind sogenannte Capped – Bonuszertifikate. Der definierte Bonuslevel entspricht hierbei der maximalen Rückzahlung zum Laufzeitende, auch wenn der Basiswert deutlich höher liegt.

In der Regel kosten Bonuszertifikate mehr als der unterliegende Basiswert, d.h. man zahlt einen Aufpreis gegenüber der Aktie. Gleichzeitig werden die Dividendenzahlungen der unterliegenden Aktie nicht berücksichtigt und werden zusammen mit dem Aufpreis zur Finanzierung des Bonusmechanismus herangezogen.

Im Gegenzug liegt der Bonuslevel bei Ausgabe der Zertifikate über und die Barriere unter dem Aktienkurs.
Die Differenz zwischen Aktienkurs und Barriere nennt man Bonuspuffer und die Differenz zwischen Aktienkurs und Bonuslevel definiert die Bonusrendite.

Genug der grauen Theorie, ich zeige die Eigenschaften von Bonuszertifikaten nun einmal an einem Beispiel.
Das Bonuszertifikat auf den Basiswert HOCHTIEF AG mit der Wertpapierkennnummer (WKN) SD0F6J , habe ich am 10.06.2021 zu €86,59 gekauft.

Das Papier wurde von der Société Générale aufgelegt und am 16.10.2020 erstmalig gehandelt.
Fälligkeitsdatum ist der 17.09.2021.

Merkmale
BasiswertHochtief AG
Zertifikate-ArtBonus Cap
Bonuslevel€ 94,00
Barriere€ 55,00
Fälligkeit24.09.21
KEnnzahlen
absolutprozentual
Bonusbetrag (Rückzahlung)€ 94,00
Bonusertrag€ 4,334,83%
Bonusrendite p.A.24,14%
Bonuspuffer€ 9,5014,73%
Aufgeld39,02%
Aktueller Kurs Zertifikat€ 89,60
Aktueller Kurs Basiswert€ 64,50

Stand 13.07.21 13:45h

Die Merkmale lassen sich wir folgt zusammenfassen.
Wenn die Hochtief AG Aktie bis 24.09.21 zu keinem Zeitpunkt auf oder unter € 55,00 fällt (Abstand 14,73%) erfolgt eine Rückzahlung des Bonuszertifikats in Höhe von € 94,00, was einer Rendite auf’s Jahr gerechnet von 24,14% p.A. entspricht. (bzw. 4,83% Rendite für etwas mehr als 2 Monate)

Das Zertifikat hat aktuell mit 39,02% eine relativ hohen Aufpreis verglichen zur Aktie. Üblicherweise bevorzuge ich Bonuszertifikate mit einem geringeren Aufpreis von nicht mehr als 10%.

Vergleichschart Hochtief AG Aktie WKN 607000 (blau) zum Bonuszertifkat WKN SD0F6J (schwarz)

Der Vergleichschart zeigt sehr gut den Vorteil des Bonuszertifikats gegenüber einem Direktinvestment in die Aktie. Während die Aktie im Zeitraum seit 16.10.2020 um etwa 5% gefallen ist, konnte das Zertifikat um rund 27% zulegen. Auch die Volatilität (Schwankungsbreite) fällt beim Zertifikat deutlich geringer aus als beim Basiswert.

Auswahl eines Basiswerts

Ich möchte hier auch kurz beschreiben, nach welchem Kriterium ich den Basiswert Hochtief AG und das Zertifikat ausgewählt habe. Dazu der Chart von Hochtief am Kaufdatum am 10.06.21.

Chart Hochtief AG 10.01.2020 – 10.06.2021

Hochtief zählt zu den führenden internationalen Baukonzernen und realisiert Infrastrukturprojekte weltweit.
Das Unternehmen erzielt einen Umsatz von rund 22 Mrd. US$ und macht einen EBIT Gewinn von knapp 1 Mrd. US$. Der Börsenwert ist mit etwa 4 Mrd. US$ nicht überteuert. Aus fundamentaler Sicht gibt es demnach nichts einzuwenden, obwohl Bauunternehmen seit der Corona Krise nicht en vogue sind.

Beim Blättern durch die Charts auf meiner Watchlist, war mir die prägnante Seitwärtsbewegung seit Mitte April 2020 in einem Korridor zwischen 62€ und 88€ aufgefallen. Zum Zeitpunkt des Kaufs am 10.06.21 bewegt sich der Kurs am unteren Rand dieses Korridors bei ca. €63,80, eine guten Konstellation für ein Bonuszertifikat.
Davon ausgehend, dass die Unterstützung im Bereich von 60€ noch 3 Monate hält, habe ich mir das Bonuszertifikat mit einer Barriere unterhalb des Korridors und mit einem komfortablen Sicherheitsabstand bei €55,00 herausgesucht. Die Restlaufzeit für das Zertifikat sollte nicht viel mehr als 3 Monate betragen.
Bei der Société Générale bin ich, wie so oft fündig geworden.


Ein geeignetes Zertifikat finden

Für die Suche nach geeigneten Zertifikaten vertraue ich auf Finanztreff.DE, die eine ergonomische und leistungsstarke Suchfunktion für alle Arten von Zertifikaten und Optionsscheinen anbieten.

Auf dem Screenshot seht ihr meine typische Sucheinstellung am Beispiel Bonuszertifikate auf den DAX(R) Index. Die Restlaufzeit sollte vorzugsweise nicht mehr als 3 bis 6 Monate sein. Die annualisierte Rendite über 12,5% und ein, dem Basiswert angemessener Puffer sind meine Vorgaben. Bevorzugt Kaufe ich Zertifikate von BNP Paribas, HSBC, UBS oder Société Générale, weil dieses finanzstarke und sichere Emittenten sind die Gebühren bei meinen Brokern (comdirect und FlatEx) mit 3,90€ pro Trade überschaubar sind.

Suchmaske Bonuszertifikate bei Finanztreff.de

Der Titel zu meinem Beitrag verspricht Rendite nach Maß. Mein persönliches Beuteschema beim Investieren mit Bonuszertifikaten sind Papiere mit Renditen zwischen 10% und 15% pro Jahr manchmal auch mehr.
Beim investieren an der Börse sind Risiko und Rendite die beiden Pole zwischen denen man sich bewegt. Ohne Risiko keine Rendite ist ein Grundsatz unter dem man handelt.
Den Grad des eingegangenen Risikos kann man aber sehr wohl beeinflussen, allerdings auf Kosten der Rendite.
Wenn man sich mit einer geringen Rendite zufrieden gibt, kann man das Risiko statistisch auf ein absolutes Minimum herunterschrauben.

Beispielhaft möchte ich ein Bonus Cap Zertifikat auf den DAX, mit einer Restlaufzeit Weihnachten vorstellen.
Beim aktuellen Kurs von €143,93 erhält man bei UBS eine annualisierte Bonusrendite von 2,56%. Dazu muss der Deutsche Aktienindex DAX in den kommenden 5 Monaten über der Barriere von 10.500 Punkten bleibt. Ein stattlicher Puffer nach unten von 5300 Punkten oder mehr als 33%.
In Zeiten von Null oder Negativzinsen immer noch eine beachtliche Rendite.

WKN: UD80VT


Classic, Pro, Reverse, es geht auch anders

Wenn es bis hierher noch nicht kompliziert genug war, möchte ich noch etwas weitere Verwirrung stiften.
Meine bisherigen Ausführungen Beziehen sich auf Bonuszertifikate mit Cap, bei denen der Bonusbetrag auf den Bonuslevel (=Cap) limitiert ist. Es gibt auch sogenannte Bonuszertifikate Classic, ohne einen Cap.
Bei dieser Art partizipiert der Anleger unlimitiert, falls der Kurs der Aktie zum Fälligkeitsdatum über dem Bonusbetrag liegt. Dieses natürlich nur, wenn die Schwelle während der Laufzeit nicht berührt wurde.

Und dann gibt es noch die Pro Varianten Bonuszertifikat Pro, mit und ohne Cap. Diese Zertifikate bieten eine zusätzliche Sicherheit, weil die Barriere nur in den letzten ein oder zwei Monaten der Laufzeit aktiv ist.
Der Bonusmechanismus bleibt erhalten, wenn der Basiswert in den letzten ein oder zwei Monaten die Schwelle nicht berührt oder unterschreitet. (Ob es ein oder zwei Monate sind kann man den Zertifikatbedingungen der jeweiligen Bank entnehmen).

Last but not least gibt es auf sogenannte Reverse Bonus Zertifikate, mit denen man auf fallende, gleichbleibende oder nicht stark steigende Basiswerte setzen kann. Bei einem Reverse Bonuszertifikat liegt die Barriere oberhalb des aktuellen Kurses des Index oder der Aktie und der Bonusbetrag wird ausgezahlt, wenn der Barriere Kurs bis zum Laufzeitende nie berührt oder überschritten wird.

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